Rosin Tiergesundheit - Myiasis – Gefährlicher Befall mit Fliegenmaden beim Kaninchen

In der Freiluftsaison genießen Kaninchen es, in ein Außengehege umzuziehen. Leider birgt dies gesundheitliche Risiken: Gefährlich sind bestimmte Arten von Fleisch- und Schmeißfliegen, die die Kaninchen befallen. Haben die Tiere schon existierende Wunden (z.B. Bissverletzungen, Abszesse), oder ist ihr Fell feucht und mit Urin oder Kot verklebt, können die Fliegen kleine, weiße ovale Eier in den Wunden, in Hautfalten oder im Anogenitalbereich ablegen. Aus den Eiern schlüpfen innerhalb von einer bis 24 Stunden die ca. 0,5 bis 1 cm großen Fliegenmaden. Sie fressen sich durch die Haut bis in das Körperinnere vor. Bei einem starken Befall sterben große Hautareale ab und es entstehen tiefe Wunden, die sich noch zusätzlich infizieren. Massiv befallene Tiere können plötzlich verenden. Befallen werden vorwiegend alte, kranke oder geschwächte Kaninchen. Auch Stress und schlechte Haltungsbedingungen (z.B. verschmutzte Gehege) können den Befall mit Fliegenmaden begünstigen. Übergewichtige Tiere und Tiere mit starken Zahnfehlstellungen sind ebenfalls besonders gefährdet, da sie sich nicht mehr selber putzen können.

Um eine Myiasis zu vermeiden sollten Kot- und Urinreste und Verklebungen im Fell des Kaninchens vom Tierbesitzer vorsichtig entfernt werden. Das feuchte Hinterteil muss so gut wie möglich trocken gehalten werden. Auch auf die Stallhygiene muss penibelst geachtet werden: Klo-Ecken sollten täglich und das komplette Gehege mindestens 1 mal pro Woche gereinigt werden. Fliegengitter und Fliegenfallen und -strips (müssen außerhalb der Reichweite des Kaninchens sein!) können hilfreich sein, um die Fliegen fernzuhalten. Auch sollten keine Mülltonnen, Komposthaufen o.ä. in der Nähe des Kaninchengeheges stehen, da diese Fliegen anlocken können. Langhaarigen Tieren wie Angorakaninchen sollten im Sommer vorbeugend die Haare der Anogenitalregion kurz geschnitten werden, um Verklebungen zu verhindern. Tiere mit Vorerkrankungen wie chronischem Durchfall, Harnwegserkrankungen, Fettleibigkeit oder Zahnfehlstellungen müssen tiermedizinisch behandelt und ins Haus genommen werden, um sie vor den Fliegen bestmöglich zu schützen. Es sollte grundsätzlich immer die Grunderkrankung behoben werden, sonst lässt der Madenbefall nicht lange auf sich warten!

Alle Kaninchen – auch gesunde – sollten in den warmen Monaten täglich, wenn möglich aber zwei Mal am Tag, auf Fliegeneier oder -maden kontrolliert werden. Sind die Tiere befallen, finden aufmerksame Tierbesitzer eitrige und entzündete Stellen und womöglich die weißlich-gelben Fliegenmaden auf der Haut oder im Fell. Meist sind die Kaninchen apathisch, ziehen sich zurück und verweigern das Futter. Lassen Sie Ihr Tier bei jeder Verhaltensänderung, reduzierten Fressverhalten oder Rückzug von einem Tierarzt untersuchen.

Wichtig: Ein Befall mit Fliegenmaden ist ein tiermedizinischer Notfall, der für die Tiere mit einem unvorstellbaren Leiden verbunden ist und sofort behandelt werden muss! Eine Behandlung ist meist nur im Frühstadium und bei geringer Eindringtiefe der Maden erfolgreich. Nicht selten müssen schwerst befallene Tiere eingeschläfert werden, um Ihnen weitere Qualen zu ersparen.

Neben Kaninchen sind auch andere Kleinsäuger (z.B. Meerschweinchen) und Reptilien (z.B. Schildkröten) für den Befall mit Fliegenmaden gefährdet.

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